Am 01. Dezember ist Welt-Aids-Tag, wie jedes Jahr seit 1988. Die meiste Zeit meines Lebens musste ich mit der Angst vor dem Virus und dem Entsetzen leben, unzählige Freunde, Bekannte und Kollegen sterben zu sehen. Ich hatte Glück, dass ich heute noch einen negativen Status habe, es hätte auch anders kommen können.

Als ich jung war, hatte AIDS ein grausameres Gesicht, heute gibt es Medikamente und eine Infektion mit dem HI-Virus kann behandelt oder unterdrückt werden und bedeutet meist nicht mehr den Tod.

Aber was bis heute geblieben ist, sind Stigmata und Ignoranz gegenüber HIV/AIDS, und vieles davon wiederholt sich heute bei anderen Krankheiten wie dem MPX-Virus (Affenpocken).

AIDS und MPX sind keine queeren Krankheiten, aber unsere LGBTQIA+-Community war am härtesten betroffen.

Leider gibt es immer noch oder wieder viele Neuinfektionen, da jüngeren Menschen oft das Wissen über sexuell übertragbare Krankheiten fehlt und sie AIDS nicht so grausam kennenlernen mussten wie andere Generationen.

Nicht zuletzt mangelt es gerade in ärmeren Ländern oft an Aufklärung, Schutzmaßnahmen und Medikamenten.

Der 1. Dezember ist eine gute Gelegenheit, sich zu informieren. Andere erinnern sich auch an die Menschen, die sie verloren haben.

Menschen meiner Generation und der Generation davor sind oft traumatisiert. Wir sollten nie vergessen, dass viele ältere queere Menschen oft unzählige Freunde verloren haben. Anstatt sich also zu wundern, warum so oft einsame ältere, traurige und manchmal verbitterte queere Menschen an der Bar sitzen, rede mit ihnen, frage nach ihrer Lebensgeschichte und schenke ihnen Liebe und Respekt. Sie haben oft viel durchgemacht.

Lernen und Wissen über HIV/AIDS ist nicht nur (Selbst-)Gesundheitsvorsorge, sondern auch Solidarität und Gemeinschaft. Aber es ist auch queere Geschichte, Erbe und Vermächtnis. Ein Großteil der Infrastruktur der LGBTQIA+-Community, die sich als Folge der AIDS-Krise entwickelt hat, selbst queere Kunst und Kultur, die heute Mainstream ist, entstand aus dem Leiden der Krise und der Notwendigkeit, zusammenzustehen.

Erinnern wir uns an die, die wir verloren haben, und lehren wir diejenigen, die überleben können.

Und lasst uns daran arbeiten, unsere Community wieder zu stärken … wir könnten sie in Zukunft brauchen.

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